Lebensraum

Warum sind Jäger eigentlich immer unfreundlich?

16. Juli 2017
Schuss-ins-Broetchen

„Warum sind Jäger eigentlich immer unfreundlich?“ Diese Frage stellte mir letzte Woche völlig überraschend eine Bekannte. Ich nahm das natürlich gleich persönlich, weil ich ja selbst zur grünen Truppe gehöre. Dabei meinte sie nicht mich, sondern ihre letzte Begegnung im Wald, als sie von einem Jäger aus der Kanzel herunter angeschnauzt wurde, weil sie beim Gassigehen unter seinem Hochsitz vorbeigegangen war.

Mir sind gleich zwei  Jagdkollegen eingefallen, die das hätten sein können. Trotzdem habe ich sie intuitiv beruhigt und ihr erklärt, dass es sich da nur um eine Ausnahme handeln könne und sie natürlich auch Verständnis für den Jäger haben müsse. Verständnis dafür, dass sie seinen Abendansitz gestört und er an diesem Abend vielleicht keinen Anblick mehr hat. Verständnis dafür, dass er viel Geld für die Jagdpacht bezahlen muss und er dafür doch etwas Ruhe im Wald erwarten könne. Verständnis dafür, dass er seinen Abschussplan erfüllen muss, während andere zuhause auf dem Sofa sitzen können. Verständnis dafür, dass alle anderen Hunde im Wald außer seinem eigenen an die Leine gehören. Verständnis dafür, dass er mit seinem SUV über die Waldwege brettert, während alle anderen ihr Auto schön auf dem Parkplatz am Waldrand abzustellen haben. Ist das denn Bitteschön zu viel verlangt? Da kann man ja schonmal aus der Haut fahren, bei soviel Ignoranz! Das verstehen Sie doch sicher, oder?

„Nehmen Sie Ihren Hund an die Halsung!“

Ich höre solche Erzählungen nicht zum ersten Mal. Die Dunkelziffer der Jäger, die sich so verhalten, dürfte also nicht allzu niedrig sein. Stellt sich die Frage nach dem Warum. Einfach weil sie im normalen Leben auch Miesepeter sind, oder verwandeln sie sich beim Betreten des Reviers zum Zombie? Nein, ich denke der Grund ist pragmatischer Natur: es hat sich einfach bewährt. Das ist das Positive an der negativen Konditionierung: Gehorsam durch Bestrafung – das gewünschte Meideverhalten tritt ein. Dem bösen Jäger wird aus dem Weg gegangen und damit auch die Gegend gemieden, wo er aller Wahrscheinlichkeit nach anzutreffen ist: das Revier zur Morgen- und Abendzeit. Chapeau!

Revierfahrzeug

Oje, da kommt der Jäger: Jetzt gibt´s bestimmt gleich wieder Ärger!

„Schuss ins Brötchen“ lässt grüßen

Dieses Verhalten hat sogar Einzug in den Satirefilm „Der Schuss ins Brötchen“ gehalten. Jäger Brahms rast mit seinem dicken SUV am Gassigänger Brüderle vorbei, fährt durch die Pfütze, spritzt ihn dabei nass, und pöbelt ihn an, er solle seinen Hund an die Halsung nehmen (Szene im Beitragsbild).

Für die optimale Bejagung des einzelnen Reviers ist das Ziel vielleicht erreicht. Was aber ist mit der öffentlichen Meinung über die Jäger und die Jagd im Allgemeinen. Sind wir nicht in der Lage, bei anderen Menschen Verständnis für die Jagd zu wecken? Glühende Anhänger werden sicher die wenigsten, sonst hätten sie ja schon selbst den Jagdschein. Aber ist zumindest eine Akzeptanz nicht mehr Wert, als die Furcht vor dem grantigen Jäger?

Nach meiner Erfahrung bringt ein freundliches Gespräch viel mehr, auch wenn es mal einen „Ansitz kostet“ – die investierte Zeit ist gut angelegt. Das Gespräch auf keinen Fall mit Vorwürfen starten, sondern kurz erklären, was man gerade vorhat und warum die Jagd wichtig ist. Dann die goldene Brücke schlagen, warum das gezeigte Verhalten dem zuwiderläuft. Wichtig ist nun, dem Gesprächspartner Alternativen zu nennen, wo er möglichst nicht zurückstecken muss, den Jäger aber weniger stört – zum Beispiel ein anderer Waldweg, an dem keine Ansitzeinrichtung steht. (Jagd-)hunde sind Sympathieträger und brechen schnell das Eis, hat man – zumindest bei Gassigängern – doch schon eine Gemeinsamkeit gefunden. Am besten ist es natürlich, das Interesse an der Jagd zu wecken: Dazu kann man dem Waldbesucher anbieten, bei nächster Gelegenheit einmal mit auf den Ansitz zu kommen oder bei der nächsten Drückjagd als Treiber mitzugehen.

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