Lebensraum

Ruhig Blut bewahren: was du über Zecken wissen solltest

13. April 2017
Zecke, Holzbock

Zecken gehören zu den unbeliebtesten Tierarten der Welt, denn sie sind Blutsauger. Sie haben es auf den Lebenssaft anderer abgesehen. Auch Menschen gehören zum Beutespektrum dieser Spinnentiere und die Angst vor einem Zeckenbiss ist groß, weil fiese Krankheitserreger übertragen werden können. Genau genommen handelt es sich aber um keinen Biss, sondern um einen Stich. Die Zecke schneidet die Haut mit ihren sägeartigen Mundwerkzeugen an und sticht dann an dieser Stelle ihren Rüssel, das Hypostom, in den Körper des Wirts.

Um hier möglichst wenig Widerstand zu haben, werden gerne weiche Hautpartien, wie Achselhöhlen, Kniekehlen oder die Leistengegend ausgesucht. Gelangt eine Zecke auf den Körper, bohrt sie ihren Rüssel nicht direkt an Ort und Stelle in die Haut, sondern macht sich erstmal auf die Suche nach einem attraktiven Platz – weich, warm und feucht steht auf der Wunschliste ganz oben. Manche feinfühlige Menschen spüren es, wenn die Zecke dabei über die Haut krabbelt und können sie dann noch rechtzeitig abgreifen. Die meisten Menschen merken aber nichts. Selbst vom Biss bekommen wir nichts mit, weil die Zecke zusammen mit dem Stich ein betäubendes Sekret injiziert. Erst wenn die Betäubung nachlässt, fängt die Stelle an zu jucken. Da hat die Zecke aber schon ihr blutiges Handwerk begonnen und lässt sich nicht mehr so einfach entfernen.

Holzbock Zecke (Ixodes ricinus) auf Haut

Die Zecke gibt sich viel Mühe, die optimale Stelle für ihren Stich an deinem Körper zu finden. Die Suche kann bis zu eine Stunde dauern.

Wie entferne ich eine Zecke richtig?

Was tun, wenn sich trotz gründlichen Absuchens eine Zecke festgesetzt und deinen Blutkreislauf angezapft hat? Die Antwort lautet: möglichst schnell entfernen. Aber richtig. Bitte nicht dem Mythos folgen, dass die festsitzende Zecke vor dem Entfernen getötet werden muss – in der falschen Hoffnung, dass sie dann von alleine abfällt oder leichter abgezogen werden kann. Du hast sicher auch schon von dem Trick gehört, die Zecke mit einem Tropfen Flüssigklebstoff zu ersticken. In ihrem Todeskampf entleert sie ihren ganzen Darminhalt mit allen Viren und Bakterien in den Wirt – sozusagen als virales Abschiedsgeschenk.

Das Gleiche kann auch mechanisch passieren, wenn die Zecke beim Herausziehen mit der Pinzette am Hinterleib gequetscht wird. Deshalb ist es wichtig, die Zecke direkt an der Hautoberfläche anzupacken und herauszuziehen. Eine Drehbewegung beim Ziehen bringt meiner Erfahrung nach überhaupt nichts, denn der Saugrüssel besitzt ja kein Gewinde, sondern ist mit Widerhaken besetzt. Ganz im Gegenteil: das Drehen schert den Hinterleib vom Kopf ab, der dann in der Haut stecken bleibt. Warst du erfolgreich und die Zecke ist draußen, sprühst du zum Abschluss der OP am besten noch etwas Desinfektionsmittel auf die Wunde.

Zecke, Holzbock in Haut

Die Zecke hat zugestochen. Jetzt heißt es schnell handeln und die richtige Methode zur Entfernung anwenden.

Hilfsmittel zur Zeckenentfernung

Ich bin viel in Wald und Wiesen unterwegs und kann schon gar nicht mehr zählen, wie viele Zecken ich schon „eingesammelt“ habe. Die meisten davon habe ich rechtzeitig entdeckt, aber bei meinem Hund musste ich trotz Zeckenschutzmittel im Laufe der Jahre schon eine ganze Menge entfernen. Dabei konnte ich verschiedene Zeckenzangen ausprobieren. Mit den bekannten Zeckenzangen aus Kunststoff habe ich schlechte Erfahrung gemacht. Sie sind mit ihrer Greifzange zu klobig und drücken oft auf den Hinterleib der Zecke. Außerdem kann man den Holzbock häufig nicht fest genug greifen und rutscht dann beim Versuch des Herausziehens nach hinten ab, wobei der Hinterkörper ausgestreift wird.

Zeckenzange im Einsatz

Die Zeckenzange ist so klobig, dass sie den Hinterleib der Zecke quetscht. Meiner Meinung nach unbrauchbar.

Sehr gute Erfahrung habe ich mit einer medizinischen Metallpinzette gemacht, die unten dünne gebogene Spitzen besitzt, ähnlich einem Schuh. Damit kann man die Zecke direkt über der Haut fest greifen, ohne Gefahr zu laufen, den Hinterkörper zu quetschen.

Zeckenpinzette

Diese Form der Pinzette eignet sich am besten zur Zeckenentfernung. Der Holzbock lässt sich damit direkt an der Haut greifen, ohne ihn zu quetschen.

Gerade für haarige Opfer wie Hunde oder Männer sind dagegen Zeckenhaken gut geeignet. Denn von einer Pinzette werden immer auch Haare mit ausgerissen, die Haken sind dagegen aufgebaut wie ein Nageleisen: nur dass anstelle des Nagels der Holzbock in den Schlitz geschoben wird. Je nach Zeckengröße werden Haken mit unterschiedlicher Schlitzbreite eingesetzt. Wenn die Größe passt, funktionieren die Zeckenhaken recht gut. Für die Verwendung einer Zeckenhakens spricht außerdem, dass Männer mit dem Umgang eines Nageleisens besser vertraut sind als mit einer Pinzette.

Zeckenhaken in zwei Größen

Zeckenhaken gibt es in verschiedenen Größen: dadurch lassen sich alle Zecken-Entwicklungsstadien gut greifen – Larve, Nymphe und adultes Tier.

Zecke in einem Zeckenhaken

Der Zeckenhaken funktioniert wie ein Nageleisen bzw. Kuhfuß. Im Gegensatz zu Pinzetten werden keine Haare mit herausgezupft.

Was tun, wenn der Zeckenkopf stecken bleibt?

Was tun, wenn der Zeckenkopf trotzdem abreißt und in der Haut stecken bleibt? Diesen selbst herauszubekommen ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Was ich da schon mit Nadel, Skalpell und Pinzette alles versucht habe – von steril konnte da keine Rede sein! Die landläufige Meinung ist, dass man den Kopf vom Arzt herausschneiden lassen soll. Das ist aber nicht notwendig: Die DAN Netzwerk Deutscher Apotheker GmbH empfiehlt, mit dem Rand einer Kreditkarte (vorher mit Seife und Wasser säubern) den Kopf „abzukratzen“. Funktioniert das nicht, solltest du den Kopf einfach stecken lassen. Es entsteht dann eine leichte Entzündung, und der Zeckenkopf wird später von selbst abgestoßen.

Beobachte die Stelle in den darauffolgenden Tagen: Breitet sich eine Rötung um die Wunde herum aus, ist das wahrscheinlich die Wanderröte (Erythema migrans), ein charakteristisches Zeichen der Borreliose. In diesem Fall solltest du unbedingt zum Arzt gehen.

Wanderröte, Borreliose

Die Wanderröte ist ein Anzeichen der Borreliose. Sie tritt frühestens 7 Tage nach dem Stich auf, spätestens nach 8 Wochen.

Welche Krankheiten können Zecken übertragen?

Sobald die Zecke zugestochen hat, können zwei gefährliche Krankheiten übertragen werden. Dazu gehören die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und die Borreliose.

Die Borreliose ist eine Entzündung, die durch spiralförmige Bakterien, den sogenannten Borrelien, hervorgerufen wird. Diese werden aber nicht sofort nach dem Zeckenbiss übertragen, sondern erst nach ca. zwei Stunden, wobei sich das Risiko nach 12 Stunden Saugzeit noch einmal wesentlich erhöht. Wird die Borreliose nicht rechtzeitig erkannt, kann es zu Nervenlähmungen sowie Gelenk- oder Herzmuskelentzündungen kommen. Die Behandlung erfolgt meist mit Antiobotika. Eine Impfung ist beim Menschen nicht möglich. Für Hunde gibt es einen Impfstoff, der aber auch nicht vor allen Borreliose-Stämmen schützt. Etwa jede dritte bis jede zwanzigste Zecke ist in Deutschland mit Borrelien befallen.

Bei der FSME handelt es sich um eine Hirnhautentzündung, die von einem Virus ausgelöst wird. Diese Viren werden sofort nach dem Stich übertragen, das schnelle Entfernen der Zecken hilft hier also nichts mehr. Die Krankheit führt zu Erbrechen, Kopfschmerzen und auch Lähmungen und kann im schlimmsten Fall sogar tödlich verlaufen. Die positive Nachricht: gegen die FSME gibt es eine vorbeugende Impfung, die vom Robert-Koch-Institut allen Menschen in Risikogebieten empfohlen und von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt wird. Diese Risikogebiete liegen vor allem in Bayern und Baden-Württemberg, in Südhessen und im südöstlichen Thüringen (Stand: Mai 2017). Um den Impfschutz aufzubauen, sind allerdings mehrere Impfungen notwendig. Nach drei bis fünf Jahre muss der Impfschutz wieder aufgefrischt werden.

Wer in einem Risikogebiet von einer Zecke gestochen wird, erkrankt nicht zwangsläufig an FSME. Das Risiko liegt nach Schätzungen bei 1:150. Diese Zahl beruht auf der Annahme, dass rund 2 % der Zecken in Risikogebieten mit dem Virus infiziert sind. Allerdings führt nicht jede Infektion zu einer Erkrankung: nur jeder Dritte Mensch, der von einer FSME-infizierten Zecke gestochen wird, erkrankt tatsächlich. Bei den anderen verläuft die Infektion ohne erkennbare Symptome.

Karte FSME-Risikogebiete

Übersichtskarte der FSME-Risikogebiete

Wie kommt die Zecke auf ihren Wirt?

Viele Menschen glauben, dass Zecken auf Bäumen krabbeln und sich dann von oben auf ihr Opfer fallen lassen. Das stimmt aber nicht, höher als 1,50 Meter krabbelt keine Zecke nach oben. Wenn man weiß, wie eine Zecke an ihr Opfer kommt, klingt das auch logisch:

Man unterscheidet zwei Strategien, die „Lauerer“ und die „Jäger“. Die Lauerer sind diejenigen, die auf Grashalme und niedrige Sträucher klettern. Dort warten sie bis ein Tier (oder ein Mensch) vorbeikommt. Sie lassen sich aber nicht von oben herabfallen, sondern in direktem Kontakt abstreifen. Deshalb macht es auch keinen Sinn, höher hinaufzuklettern als ein Reh oder Wildschwein groß ist.

Zecke, Holzbock

Wenn Zecken auf der Lauer liegen, strecken sie das vordere Beinpaar weit aus. Dort befindet sich das empfindliche Haller-Organ, mit dem sie herannahende Opfer „riechen“ können.

Überlegt man nun, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass genau an dieser Stelle ein Opfer vorbeikommt, erscheint es plausibel, dass eine Zecke zwei Jahre ohne Nahrung auskommen kann. 94 % ihrer Lebenszeit wartet eine Zecke auf ihre nächste Mahlzeit. Zu den „Lauerern“ zählt zum Beispiel der Gemeine Holzbock, die in Deutschland am häufigsten vorkommende Zeckenart. Er ist nicht wählerisch und packt sich jedes Lebewesen, dem Blut durch die Adern fließt.

Die zweite Strategen-Gruppe sind die der „Jäger“. Sie bewegen sich vorwärts und suchen aktiv nach ihren Opfern. Sowohl die „Lauerer“ als auch die „Jäger“ nutzen das sogenannte Haller-Organ bzw. Hallersche Organ um ihre Opfer zu identifizieren. Beim Haller-Organ handelt es sich um einen Chemorezeptor, der sich am vorderen Beinpaar befindet. Damit kann die Zecke Stoffe wie Milchsäure, Kohlendioxid, Ammoniak und vor allen Dingen Buttersäure erkennen, die von den Zielobjekten durch Schweiß und Atem ausgestoßen werden.

Ausruhen auf Wiese

Das warme Buffet ist angerichtet: So machst du es den Zecken leicht.

Wie kann man sich vor Zecken schützen?

Der beste Schutz ist natürlich, wenn du zuhause bleibst, aber das ist wahrscheinlich keine dauerhafte Lösung. Wenn du dich abseits von Wegen in der Natur aufhältst, solltest du lange Kleidung tragen und die Socken über die Hosenbeine stülpen. Gummistiefel bieten ebenfalls einen guten Schutz.

Helle Kleidung ist dunkler vorzuziehen, denn darauf lassen sich Zecken besser erkennen. Möchtest du in Wald und Flur unbedingt Haut zeigen, solltest du einen Repellant, also ein Insektenschutzmittel, auftragen. Neben den chemischen Präparaten ist Kokosöl als natürliche Alternative sehr beliebt. Es gibt auch Kleidungsstücke, die mit einem Biozid, meist Permethrin, behandelt sind, das Zecken abschreckt.

Egal, wie du dich schützt – sobald du wieder zuhause bist, musst du dich unbedingt am ganzen Körper nach Zecken absuchen. Duschen reicht nicht aus, denn wenn sich eine Zecke bereits festgebissen hat, kannst du sie mit Wasser nicht mehr abspülen.

Kind auf Wiese

Kinder sollen Natur hautnah erfahren. Danach aber bitte gründlich nach Zecken absuchen – und nicht zu lange warten, denn bei zarter Kinderhaut stechen Zecken schneller zu.

Was macht eine Zecke, die ich unbemerkt mit nach Hause gebracht habe?

Was macht eigentlich eine Zecke, die sich als blinder Passagier in die Wohnung eingeschleust hat? Auch dort folgt sie ihrer angeborenen Strategie – lauern oder jagen. Entweder sie bringt sich in eine Position, wo sie auf ein Opfer wartet, zum Beispiel krabbelt sie bei der abgelegten Hose ins Innere des Hosenbeins – oder sie geht mit ihrem Hallerschen Organ auf die Suche, zum Beispiel Richtung Bett. Je feuchter die Umgebung, umso besser die Überlebenschancen. Da kommt es für die Zecke gerade recht, dass getragene Bekleidung gerne im Bad abgelegt wird, wo die Luftfeuchtigkeit am höchsten ist.

Schön, dass es Menschen gibt, die dazu in ihrem privaten Wohnumfeld konkrete Praxistests gemacht haben. Scheinbar bringen nicht nur Jäger, sondern auch Angler diese Plagegeister gerne von ihren Ausflügen mit nach Hause, wie eine Studie auf der Homepage des Fischereivereins Celle e.V. belegt:

Wie sind die Überlebenschancen von Zecken?

  • Wäschehaufen: Mehrere Wochen – vor allem bei feuchten Kleidungsstücken.
  • Kleiderschrank: Drei bis fünf Tage.
  • Kopfkissen: Drei bis fünf Tage.
  • Bad: Mehrere Wochen. Insbesondere, wenn hier ein Badteppich liegt, der täglich feucht wird.
  • Auto: Mehrere Wochen.
  • Ohne zu fressen: Die Larven starben nach ca. vier Jahren. In der Literatur ist sogar von einer 7-jährigen Überlebenszeit die Rede.
  • Im Wasser: Zecken können bis zu vier Wochen unter Wasser überleben.
Wäschekorb

In feuchter, verschwitzter Wäsche können Zecken mehrere Wochen überleben.

Wie kann man Zecken in der Kleidung töten?

  • Waschmaschine: Die Kleidung sollte bei mindestens 50 °C gewaschen werden, da die unerwünschten Mitbringsel erst bei genau 42 °C Körpertemperatur sterben.
  • Ofen: Bei 110 °C Umluft, vorgeheizt, lebten die Tiere noch nach fünf Minuten auf einer dünnen Trachtenjacke.
  • Im Trockner: Erst nach eineinhalb Stunden Betrieb, mit der Einstellung „schranktrocken und schonend“ waren alle Zecken tot.
  • Mikrowelle: Alle Zecken waren erst nach etwa zwei Minuten tot.
Waschmaschine

Erst bei knapp 50 °C sterben Zecken in der Waschmaschine.

Als Fazit seiner Versuchsreihe hält der Fischereiverein fest: „Ein Waschgang bei mindestens 50 °C oder eine Runde im Trockner tötet Zecken am zuverlässigsten ab!“

Ich weiß nicht genau, ob der experimentierfreudige Petrijünger verheiratet ist oder war, aber bei mir wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit ein familiärer Interessenskonflikt zutage getreten, der mich an einem erfolgreichen Abschluss des häuslichen Zeckenmonitorings gehindert hätte. Dafür ein Petridank für die selbstlose Eigeninitiative im Dienste der Wissenschaft!

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