Jagdausrüstung

Praxistest: Sellier & Bellot TXRG exergy blue

16. Juni 2017
Sellier & Bellot TXRG blue

Schon vor längerer Zeit habe ich auf bleifreie Munition umgestellt. Zum einen ist das gewonnene Wildbret frei von möglichen Bleirückständen, zum anderen ist in manchen Bundesländern, wie z.B. Baden-Württemberg, die Verwendung bleifreier Munition bereits Pflicht – damit gibt es bei Jagdeinladungen dorthin keine Probleme.

Ein großer Nachteil der Bleifreien ist allerdings die schlechtere Wirkungsweise im Wildkörper verglichen mit bleihaltiger Munition. Damit ist gemeint, dass das Wildtier nach dem Schuss manchmal noch eine längere Fluchtstrecke zurücklegt, bevor es tot zusammenbricht. Aufgrund der geringeren Deformationsbereitschaft des harten Materials soll es bei Drückjagden auch schon zu Unfällen bei Jägern durch abgelenkte Geschosse gekommen sein. Nicht umsonst haben sich die weicheren Bleigeschosse in puncto Zuverlässigkeit und Sicherheit über Generationen bewährt.

Spielt in einer anderen Preisliga als RWS

Bisher war ich mit der bleifreien „RWS Hit“ im Kaliber .308 Win. unterwegs. Mit rund 70 € für eine Schachtel à 20 Patronen wird mir die „Hit“ aber auf Dauer zu teuer. Deshalb habe ich zu Beginn der Jagdsaison auf die neue bleifreie Patrone von Sellier & Bellot umgestellt – die „TXRG blue“, auch „exergy blue“ genannt. Mit 55 € pro Pack ist sie schon in einer anderen Preisliga als die RWS. Sie macht zudem mit ihrer blauen Polymerspitze auch für Ästheten einiges her, ganz im Gegensatz zur gewöhnlichen „exergy (XRG)“, die mit ihrem Rundkopf eher etwas plump daherkommt.

Sellier & Bellot TXRG blue

Der Name „blue“ stammt von der blauen Polymerspitze, aber auch von der umweltverträglichen Bleifrei-Ausführung.

Top-Präzision mit Blaser R8

Was die Präzision betrifft, steht die Sellier & Bellot TXRG blue der RWS Hit in Nichts nach. Meine Blaser R8 zeigte mit diesen beiden Laborierungen im Kaliber .308 Win. einen Streukreis von 30 mm bei 5 Schuss, was für eine bleifreie Patrone schon als ziemlich präzise gilt. Ich habe aus Interesse auch die anderen gängigen bleifreien Patronensorten durchgetestet, die alle wesentlich schlechtere Präzisionsergebnisse lieferten und teilweise bis 70 mm auf der Scheibe streuten.

Erstes Fazit nach 10 Rehen

Seit Anfang Mai konnte ich mit der Sellier & Bellot TXRG blue im Kaliber .308 Win. etwa 10 Rehe erlegen. Noch keine große Stichprobenmenge, aber für ein erstes Fazit schon einmal ausreichend. Bei den besonders wildbretschonenden Trefferlagen, also breitstehend hinters Blatt, zeigte sich eine unzureichende Energieabgabe im Wildkörper.

Ein-Ausschuss

Der Bock ging mit diesem Treffer noch etwa 100 Meter weit (links Einschuss, rechts Ausschuss).

Exergy blue kein Rippentreffer

Das Geschoss traf genau zwischen die Rippen und expandierte deshalb nur geringfügig (links Einschuss, rechts Ausschuss).

Der Widerstand im Wildkörper ist beim zierlichen Reh einfach zu gering, um das exergy-blue-Projektil dazu zu bewegen, seinen Querschnitt zu vergrößern. Das Geschoss expandierte also kaum, was zu einer vollmantelartigen Wirkung führte. Die Folge waren Fluchtstrecken von 50 bis teilweise 100 Metern – bei der RWS Hit ist das übrigens genauso. Wenn Bleifrei ein Muss ist, greifen deshalb viele Jäger zu bleifreien Teilzerlegungsgeschossen, wie dem RWS Evolution Green. Wie der Name schon sagt, trennen sich hier Teile des Geschosses ab, um im Wildkörper ihre zerstörende Arbeit zu verrichten. Die scharfen Metallsplitter verletzen dabei aber nicht nur die inneren Organe, sondern dringen zum Teil bis ins Muskelfleisch ein und bieten deshalb in puncto Wildbretqualität mehr Nachteile als Vorteile.

Zurück zur TXRG blue: Wenn der Treffer auf dem Blatt lag oder die Kugel beim Einschuss auf eine Rippe kam, war die Situation eine andere. Dann reagierte das exergy-blue-Geschoss, indem es sofort „aufmachte“ und zum gewünscht schnellen Verenden des Stückes führte. Alle so getroffenen Rehe lagen im Feuer – und das nicht nur aufgrund der Immobilisierung, sondern angesichts der organischen Zerstörung.

Exergy blue Rippentreffer

Das Geschoss streifte beim Einschuss eine Rippe und traf dann aufs Blatt – bei diesem Widerstand machte die „exergy blue“ ordentlich auf (links Einschuss, rechts Ausschuss).

Die Kugel braucht ein gewisses Maß an Widerstand

Will man mit dieser Patrone auf Rehe waidwerken, muss also vor Schussabgabe klar sein, wo der Fokus liegt: Ist die Länge der Fluchtstrecke zweitrangig – weil keine Dickungen oder Dornenverschläge in der Nähe sind oder einem der firme Jagdhund zur Seite steht – kann hinters Blatt geschossen werden.

Steht der Bock allerdings nahe der Jagdgrenze oder einer vielbefahrenen Straße muss man den Wildbretverlust durch einen „Blattschuss“ in Kauf nehmen – oder sich eben grundsätzlich für ein anderes Geschoss entscheiden. Denn aus Tierschutzgründen sollte das schnelle Verenden des Wildes immer im Vordergrund stehen. Deshalb ist die TXRG blue in reinen Rehwildrevieren vielleicht nicht das richtige Geschoss.

Sobald aber Schwarzwild ins Spiel kommt, sieht das sicher anders aus. Denn aufgrund des bisher gezeigten Verhaltens dürfte die exergy blue bei stärkerem Wild seine Vorteile besser ausspielen. Wenn du schon Erfahrung mit der „blauen Bohne“ auf Sauen gemacht hast, würde ich mich freuen, wenn du darüber über die Kommentarfunktion kurz berichtest.

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4 Kommentare

  • Antworten Christoph 17. Juni 2017 um 19:41

    Ich schieße die exergy. Wirkt plump aber auch bei sauberen Schüsse hinter dem Blatt bleiben die Reh fast ausnahmslos lügen. Erst bei einem Reh im Nahkampf auf ca 30 m ging es noch 30 m

    • Antworten waldbret 17. Juni 2017 um 20:51

      Ja, die normale Exergy ist auf Rehwild sicher besser. Wirkt eher wie ein Teilmantel Rundkopf. Vielen Dank für deine Erfahrung damit!

  • Antworten Valentina 23. Juni 2017 um 11:47

    Hall0!
    Mich würde interessieren, wie viel Grain/Gramm das Geschoss hatte!

    • Antworten waldbret 23. Juni 2017 um 17:06

      Das Geschossgewicht ist 165 grs. / 10,7 g.

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