Jagdpraxis

Endlich mal was Positives: Kitzrettung in der BILD-Zeitung

31. Mai 2017
BILD Jäger rettet Rehe

Dass es Jäger mit einer positiven Nachricht in die BILD-Zeitung schaffen, hat Seltenheitswert. Berufsjäger Rupprecht Walch (25) aus Nördlingen (Schwaben) und sein ehrenamtlicher Begleiter Dieter Hampl haben es erreicht: Unter der Überschrift „Mit seinem Bambi-Copter – dieser Jäger rettet Rehe“ berichtet Deutschlands auflagenstärkste Zeitung über die unermüdliche Kitzrettungsaktion der beiden Jäger.

Rehkitz im Gras

Rehkitze flüchten nicht, sondern bleiben ganz ruhig liegen. Das schützt vor dem Fuchs, aber nicht vor dem Mähmesser.

Sex, Gewalt, Ekel oder Heldenepos

Endlich mal keine Bilder eines Jägers fortgeschrittenen Alters, der mit einem erlegten Löwen posiert oder den wildernden Hund eines Spaziergängers erschossen hat. Nein, dieses mal zeigt das Boulevardblatt einen jungen Berufsjäger, der ein kleines Kitz aus der Wiese trägt, gerade noch rechtzeitig bevor der Bauer seine Mähmesser anwirft.

Das ist Balsam für die gepeinigte Seele der vielen Jäger, die sich ebenfalls für den Tier- und Naturschutz einsetzen. Die Biotope anlegen, Nistkästen aufhängen, Hundekurse anbieten, Schulklassen mit in den Wald nehmen und ebenfalls Rehkitzen retten. Das reicht aber höchstens in den Lokalteil des Heimatblattes. Überregional bringt das keine Quote. Dort braucht es Sex, Gewalt, Ekel oder – Heldenepos.

Drohne

Drohnen mit Wärmebildkamera lokalisieren Wärmequellen auf der Wiese am besten, solange die Lufttemperatur noch niedrig ist.

Respekt: 87 Rehkitze in zwei Wochen gerettet

So wie die beiden Schwaben im Nördlinger Ries, die ab vier Uhr morgens mit Drohne und Wärmebildkamera kleine Rehkitze aufspüren, bevor der Landwirt mit der Mahd seiner Wiese beginnt. In den letzten beiden Wochen konnten sie schon 87 der gepunkteten Fellknäuel retten! Eigentlich liegt das rechtzeitige Auffinden der Kitze in der Verantwortung der Bauern, denn nach dem Tierschutzgesetz machen sie sich strafbar, wenn sie bei der Mahd den Tod des Rehnachwuchses billigend in Kauf nehmen. Das ist aber in der Praxis kaum möglich, zu groß sind die Flächen und zu schnell die Maschinen. Zudem sind oft Lohnunternehmer unterwegs, bei denen Zeit Geld ist.

Deshalb ist es Tradition, dass die örtlichen Jäger den Grundbesitzer unterstützen. Ist der Mähtermin rechtzeitig bekannt, stellen die Jäger am Vorabend Wildscheuchen auf der betreffenden Fläche auf. Die Hoffnung ist, dass die Rehgeiß dann nachts ihre meist zwei Kitze aus der „unsicheren“ Fläche herausführt. Leider funktioniert das nicht immer.

Jagdhund in Wiese

Der Jäger sucht mit seinem Hund die Wiese nach Rehkitzen ab. Der firme Jagdhund verweist seinem Führer den Fundort, ohne dem Kitz etwas anzutun.

Die analoge Variante: Jagdhund sucht Wiese ab

Bleibt dafür keine Zeit, weil die Mähaktion kurzfristig angesetzt wurde, sucht der Jäger mit seinem Hund vorher die Fläche ab. Der ausgebildete Jagdhund steht das Kitz vor, das heißt er zeigt seinem Führer an, dass direkt vor ihm Wild im Gras verborgen liegt. Dafür bekommt der firme Jagdbegleiter dann natürlich eine Belohnung! Der Jäger zieht sich nun Gummihandschuhe an und nimmt zusätzlich Grasbüschel in beide Hände. So trägt er das Kitz aus der Wiese heraus, ohne es direkt zu berühren. Denn andernfalls würde der Menschengeruch dazu führen, dass die Rehgeiß ihren Nachwuchs nicht mehr annimmt. Der Jäger legt das Kitz nun ganz in der Nähe ab. Nachdem wieder Ruhe an der Fläche eingekehrt ist, sucht die Rehmutter ihre Jungen und findet sie anhand ihres leisen Fiepens.

Rehkitz im Gras

Wird ein Kitz entdeckt, darf es auf keinen Fall mit bloßen Händen angefasst werden. Die Mutter würde es dann nicht mehr annehmen.

Jagdhundeverein schafft Drohnen für 30.000 Euro an

Im Falle von Rupprecht Walch und Dieter Hampl hatte der Verein für Deutsche Wachtelhunde (Landesgruppe Baden-Württemberg Nord) die tolle Idee mit den wärmebildbewehrten Drohnen. Oft haben Vereine durch ihre jährlichen Mitgliedsbeiträge einiges an Guthaben auf der hohe Kante. Der Hundeverein schaffte sich kurzerhand zwei Drohnen im Wert von jeweils 15.000 Euro an, die er Jägern in der Umgebung zur Kitzrettung kostenlos zur Verfügung stellt.

Die Jagdpächter und die Landwirte um Oettingen sind dankbar für diese Unterstützung. Denn niemand verkraftet den Anblick von kleinen Bambis mit abgemähten Beinen, schreiend vor Schmerzen. Im Gegenzug darf der Hundeverein die Wiesenflächen für seine Hundeprüfungen nutzen. So folgen neue brauchbare Jagdhunde nach, die neben dem Jagdeinsatz auch wieder zur Kitzrettung eingesetzt werden können.

Eine Win-win-Situation für alle Beteiligten. Vielen Dank für den wertvollen Beitrag zum Tierschutz!

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